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Presse

Rusira Mixtett Text:  WORD oder PDF

Rusira Mixtett Bild: Rusira Mixtett

                        20140220 RSM HDS Gruppe PWFG 05

Lust auf einen ›Country Boy‹ ? oder ein ›Garnelenhirn‹? Auf Bebop-schwangere Blasmusik und fußwippenden Minibigband-Sound? Auf atemberaubende Solos und ergreifendes musikalisches Miteinander? Willkommen beim Rusira Mixtett

Nach dem Motto: ein guter Song ist in jedem Genre zuhause, komponierte Ruth ›Rusira‹ Schepers für acht Bläser und Schlagzeug farbenfrohe Stücke zum Anhören und Tanzen. Inspiriert wird sie unter anderem von Jazz, italienischen Blaskapellen und schmackhaften Speisen

Die international besetzte Band besteht aus stilistisch sehr verschiedenen Musikern, die ihre Stimme in den Pool werfen, um darin zu schwimmen – aber nicht unterzugehen!  Sie fallen auseinander und gruppieren sich neu, übernehmen die Führung und fügen sich ein. Versiert erwecken sie die Geschichten in den Stücken zum Leben

 

 Pressestimmen zur aktuellen CD:

Ein „großherziges Projekt mit sieben bis acht Bläsern und Schlagzeug“, das „lebensfrohe Musik spielt“ – das ist das von der Saxophonistin und Komponistin Ruth Schepers gegründete Rusira Mixtett, 9 MusikerInnen aus dem Dunstkreis des Berliner Frauenmusikzentrums Lärm und Lust. Ursprünglich als bloße Blaskapelle gedacht, verselbständigte sich das Projekt durch ungeahnte Spielfreude und wurde von selbst zu einem „eigenen Organismus aus Modern Jazz, Blas- und Zirkusmusik“, wie die Bandleaderin schildert. Scheper’s Kompositionen, die so lustige Namen tragen wie „Quittenwaltz“, „Hohe See 1 + 2“ oder „Bim Bam“ sind als Gemeingut gedacht und werden von dem Bläser-Ensemble aus Lisa Meike Rueppel, Anke Lucks, Petra Krumphuber, Almut Schlichting, Pauline Boeykens, Christian Magnusson und Tobias Dettbarn, sowie Lucia Martinez am Schlagzeug und den GastmusikerInnen Beat Freisen und Kathrin Lemke mit turbulentem Leben gefüllt. More than Blasmusik.
MELODIVA CD Tipp Juni 2013

CD, 2012, Label: Konnex

Mane Stelzer

01.08.2013

 

30.Juni 2014 im B-Flat:

Konzertkritik der Kulturjournalistin Agnes Monka

Beinarbeit im b-flat

Draußen ist Achtelfinale und Regen. Drinnen gibt es zwei Stunden Jazz mit dem Rusira Mixtett. So virtuos wie die acht Musiker bewegt noch nicht mal Mesut Özil seine Füße. Am Anfang ist das Meer. Mit Hohe See I, II und III eröffnet das Rusira Mixtett sein Programm, fährt unter dem Hupen der Tuba aus dem Hafen ab, gerät auf dem offenen Meer in einen Trompetensturm und wird am Ende im rettenden Hafen von einem Saxophonsolo begrüßt. Die Gründerin des Ensembles, Ruth Schepers, steht ganz links auf der Bühne des b-flat in der Rosenthaler Straße, daneben ihre sieben Mitspieler. Heute Abend spielt sie Querflöte, Alt-und Sopransaxophon, Klarinette und moderiert leise und bestimmt durch die Kompositionen, die alle von ihr stammen. Ab und zu hält sie ihre Hand hoch – taktische Gesten, noch vier Takte – die anderen Musiker sehen aus dem Augenwinkel genug um zu wissen, was zu tun ist. Noch ist die Spielfreude verhalten, das Publikum zwar freundlich, aber nicht richtig warm. Doch wir sehen es genau: Der linke Fuß des Trompeters wippt im Takt hin und her, umso mehr, je vertrackter der Rhythmus der Musik wird. Ein Seismograph der musikalischen Konzentration. Parallel dazu gehen die Mundwinkel immer weiter nach oben. Ruth Schepers' Musik ist nach ihrer Aussage „ziemlich spröde", im Faltblatt des b-Flat läuft dieser Abend unter „democratic brass jazz". Demokratischer Blechjazz – ja, was soll das denn sein? Vielleicht zunächst ein Wort zur Sprödigkeit. Querflöte, Saxophone, Klarinetten, Trompete, Posaune, Tuba und Schlagzeug – es stimmt, dass diese Besetzung keinen fetten BigBand-Sound hervorbringen kann, dafür fehlt der Bass und vielleicht ein Klavier. Doch diese Schlankheit ist die große Stärke des Rusira Mixtetts, der Klang ist transparent und gut durchlüftet. Man hört die Lust am Experimentieren mit Klangfarben und am Zusammenspiel, wenn Trompete und Klarinette zweistimmig das Fundament bauen, auf dem das Altsaxophon dann zu solistischen Höhenflügen ansetzen kann. Faszinierend, wie konzentriert die Musiker, allesamt Profis, einander beim Improvisieren zusehen, wie achtsam sie die Begleitungen für ihre Mitspieler gestalten und dabei stets „mit den Ohren nach rechts und links gucken". Es geht in der Tat demokratisch zu. Ruth Schepers gibt zwar die Zeichen, wer aber als Solist dran ist, den lässt sie machen, der bestimmt das Tempo. Jeder darf mal. Sie schaut zu, lächelt entspannt und hochkonzentriert zugleich. Ihre Stücke erzählen von Pflaumen mit Sahne, von einer Fahrt im Fesselballon oder Kirchenglocken. Sie tun dies unaufgeregt, sodass man das Gefühl hat, in ein Stilleben oder ein Landschaftsaquarell einzutauchen. Das klingt langweiliger als es ist. Country Boy widmet sich dem Landleben und wirklich, im Mittelteil hört man das unermüdliche Stampfen einer Maschine, die Tag für Tag den Boden beackert. Dann ein bisschen Anklänge an Dixieland, Gruppenimprovisation, hymnenartiger Abschluss. Toll. Zugegeben, manchmal findet man die Bedeutung des Titels nicht so eindeutig in der Musik wieder wie hier. Aber das macht nichts. In der zweiten Halbzeit ist das Publikum richtig aufgetaut. Die Schuhspitzen der Musiker wackeln im Takt von Swing #13 synchron nach rechts und links. Was für ein Zusammenspiel! Die Zuhörer nicken. Zwei. Drei. Jetzt ein Tango mit Tuba, das klingt ungewohnt und interessant. Dann Krambambuli, das Stück, das dem neusten Album den Namen gegeben hat. Spielbein wippt rechts, Standbein steht links. Ein paar Neue sind im Publikum aufgetaucht. Ein Mann in schwarz starrt auf die Bühne und klopft in nervösen Sechzehnteln auf die Innenseite seines Oberschenkels. Rechts am Tisch ist der Fuß einer Japanerin außer Kontrolle geraten, ihr Knie hüpft wild auf und ab. Der Posaunist verstopft seinen Trichter mit einem Gummipümpel und spielt einen Fetzen von Smoke on the water. Draußen bleibt ein Student in grünem Pulli stehen und guckt durch das riesige Fenster hinein. Chicago ist der Schlusssong und erzählt davon, dass die Stadt heute auch nicht mehr so sicher ist wie vor 20 Jahren. Wie bestellt rast draußen ein Polizeiauto über die Rosenthaler Straße, das Blaulicht flimmert im Raum. Mit einer filmreifen Bewegung dreht sich der Trompeter wie ein Geheimagent mit Pistole ruckartig zum Fenster, die anderen Musiker liefern den Soundtrack dazu: Ein bisschen rosaroter Panther, ein bisschen Tatort, zwischendurch fast Discosound. Nach einem explosiven Trompetensolo gibt es am Ende viel Applaus. Das Publikum ist zufrieden, die Musiker bleiben noch auf ein Bier, Ruth Schepers kommt an den Tisch, um ein bisschen zu plaudern und diktiert geduldig die Setliste. Dann verstreut sich alles. Draußen regnet es noch immer, Deutschland und Algerien sind inzwischen in der Verlängerung. Wir bleiben vor einem Späti stehen und gucken durch die Scheibe. Auch nicht schlecht, so eine Reise nach Brasilien ins Stadion. Unser demokratischer Blechabend war – vor allem in puncto Beinarbeit - trotzdem viel schöner.